Seit einigen Monaten habe ich meine GARMIN Fenix 5 durch eine GARMIN Forerunner 945 ersetzt. Seit 2016 laufe, schwimme und fahre ich mit diversen Fenix-Modellen am Handgelenk und bin von Anfang an sehr zufrieden.

Umso kritischer war ich beim Wechsel vom Fenix-Lager ins Forerunner-Lager. Soviel aber vorweg: Ich habe es nicht bereut.

Erster Eindruck

Als das Paket von GARMIN bei mir zu Hause ankam, musste ich die Uhr natürlich direkt auspacken und begutachten.

Die Verpackung selbst ist nahezu identisch zur Fenix 5. Ausgepackt machen sich aber sofort die ersten Unterschiede bemerkbar.

Die Forerunner 945 kommt deutlich „schlanker“ und um einiges leichter daher. Das sieht gut aus und fühlt sich am Arm besser an.

Obwohl die Forerunner 945 kein Alugehäuse besitzt, wirkt sie genau wie die Fenix sehr wertig.

Vielleicht ein subjektives Empfinden, denn im rein äußerlichen Direktvergleich zum Forerunner-Vorgänger 935 hat sich nur maginal etwas verändert und dennoch wirkt die Forerunner 945 wesentlich hübscher und hochwertiger auf mich.

Die neue Forerunner 945 spielt hier meines Erachtens nun optisch in einer Liga mit der Fenix. Das gefällt mir.

Das Userinterface ist etwas aufgeräumter und sieht mit neuen Grafiken und Animationen insgesamt auch etwas schöner aus, als bei meiner Fenix 5.

Wollen wir hoffen, dass die Forerunner auch unter der Haube überzeugen kann.

Einsatzgebiet

Die Forerunner zeigt ihre Stärken, genau wie die Fenix, bei Multisportlern und Läufern. Für mich als Triathlet also genau das richtige Gadget.

Ihren ersten Einsatz, hatte meine GARMIN Forerunner 945 dann sogar direkt in einem Triathlon-Wettkampf, beim Heidelbergman. Quasi eine Feuertaufe.

Manch einer wird jetzt denken „ganz schön gewagt“, aber ich hatte vollstes Vertrauen. Zu Recht. Es ist alles gut gegangen. Ersten Test bestanden.

GARMIN Forerunner 945 im Test

GPS-Genauigkeit

Einer der kritischsten Punkte für Lauf- bzw. Multisportuhren ist sicher die GPS-Genauigkeit. Da ich hier bei meinen Fenix-Modellen immer sehr zufrieden war, habe ich mir wenig bis garkeine Sorgen gemacht, dass sich das bei der Forerunner 945 ändern wird.

Neben GPS unterstützt die Forerunner 945 auch GLONASS und Galileo. Beide kann man bisher nur in Verbindung mit GPS, nicht jedoch einzeln aktivieren. Von GARMIN selbst wird Die Kombination aus GPS+GLONASS empfohlen, da diese die höchste Genauigkeit bei moderatem Akkuverbrauch verspricht.

Der Direktvergleich mit meiner Fenix 5 auf der Tartanbahn zeigt, dass beide Modelle nahezu identische Werte liefern. Von 16 400m Runden haben beide Uhren 15 mal exakt 400m angezeigt. Lediglich die letzte Runde haben beide mit 410 Metern gemessen. Absolut in Ordnung. Rein rechnerisch wäre das eine Abweichung von weniger als einem Prozent.

Akkulaufzeit

Auch wenn ich im Vergleich zur Fenix mit meiner Forerunner gefühlt ein bisschen kürzer auskomme, reicht der Akku absolut aus.

Laut GARMIN liegt die Akkulaufzeit im reinen GPS-Modus bei 40 und im UltraTrac-Modus sogar bei 60 Stunden. Beides habe ich aus Mangel an Bedarf nicht ausprobiert. Ich lade meine Uhr etwa einmal pro Woche, habe dabei sämtliche Messungen 24/7 aktiv und trainiere in dieser Zeit etwa 8-10 Stunden mit GPS+GLONASS. Ganz leer ist die Uhr dabei in den seltensten Fällen. In der Regel bleiben zum Ende der Woche ca. 20-30% Akku übrig.

Navigation

Für mich eine der wichtigsten Neuerungen ist das Kartenmaterial. Zuvor hatte ich bei meiner Fenix 5 zwar die Möglichkeiten mich navigieren zu lassen, musste dies aber bis jetzt über eine reine Tracknavigation machen müssen, bei der man ausschließlich eine Linie (Pfad) und einen daraufliegenden Pfeil sieht. Einmal vom Pfad abgekommen kann es da manchmal schwierig sein wieder zurück zu kommen. Auch passierte es gerne mal, dass man zu früh oder zu spät abbiegt und damit dann zumindest kurzzeitig falsch läuft und umkehren muss.

Das Kartenmaterial basiert auf OpenStreetMap und beinhaltet jede Menge Zusatzinformationen.

Auf meiner Uhr befindet sich detailliertes Kartenmaterial inklusive POI’s für ganz Europa. Außerhalb von Europa war ich seit Beginn meines Tests nicht, habe aber gelesen, dass eine etwas reduzierte weltweite „Basemap“ mit den größten Städten und Straßen enthalten ist.

POI’s können direkt auf der Uhr ausgewählt und dort hin navigiert werden.

Theoretisch ein nützliches Feature für fremde Regionen ist die RoundTrip-Routing-Funktion, bei der man lediglich eine Streckenlänge und eine Himmelsrichtung angibt und dann einen Routenvorschlag anhand viel gelaufener Strecken bekommt. Ich habe das Feature zu Hause auf meinen Hausstrecken getestet und habe komischerweise keine besonders schönen Strecken vorgeschlagen bekommen.

Macht aber eigentlich auch garnichts, denn ich nutze zum Erstellen von Strecken viel lieber STRAVA und entscheide komplett selbst, wo ich lang laufe.

Mit den entsprechenden Apps/Widgets kann man Routen ganz leicht von STRAVA oder Komoot auf die Uhr übertragen. Natürlich kann an auch wie gewohnt via GARMIN Connect Routen erstellen.

Verlässt man die geplante Route, versucht die Uhr einen immer wieder zurück auf die richtige Strecke zu führen.

GARMIN Music

Auch neu für mich war die Musik-Funktion. Für Läufer, die viel mit Musik laufen und kein Handy mitschleppen möchten sicherlich eine super Sache. Ich selbst laufe inzwischen eher selten mit Musik. Ich laufe oft mit Freunden oder Hund. In beiden Fällen möchte ich mitbekommen, was um mich rum passiert.

Nichts desto trotz habe ich die Funktion ausprobiert. Das Einrichten empfand ich zunächst etwas umständlich – zumindest war es nicht so intuitiv, wie andere Funktionen, sodass ich doch ein wenig rumprobieren musste. Am Ende hat aber alles wunderbar funktioniert und ich konnte Musik hören, ohne mein Handy mitzuschleppen. Später habe ich dann sogar noch rausgefunden, dass die Einrichtung am PC/Mac mit GARMIN Connect wesentlich leichter von statten geht.

Ich habe das ganze direkt mit Spotify ausprobiert und einige Playlisten auf meine Uhr synchronisiert. Auch das hat tadellos funktioniert. Es funktionieren aber auch andere Streaming-Dienste, wie Deezer. Natürlich wird die Musik nicht live gestreamt, sondern vorab auf die Uhr übertragen. Hierfür hat man ca 7GB freien Speicher zur Verfügung. Das ist vermutlich genug für rund 1000 Tracks!

Einzig Kilometeransagen hätte ich mir hier noch gewünscht – diese habe ich in Verbindung mit meinem Smartphone aktiviert und mag dieses Feature sehr.

GARMIN Pay

Auf dieses Feature habe ich mich besonders gefreut und war umso enttäuschter, als ich festgestellt habe, dass meine Bank GARMIN Pay nicht unterstützt – genauso, wie ein Großteil aller Banken in Deutschland. Erstmal ernüchternd.

Aber: Nach ein wenig Recherche habe ich rausgefunden, dass man in Verbindung mit VIMPay auch in Deutschland recht easy GARMIN Pay nutzen kann. Ein kleines Manko bleibt hier aber noch. Wenn ich das richtig verstanden habe, muss man hier vorab ein Konto aufladen – zumindest habe ich noch keine andere Möglichkeit gefunden. Das finde ich ein wenig lästig. Lastschrift wäre hier komfortabler.

Am Ende des Tages habe ich die Funktion also immernoch nicht genutzt. Aber ich bin mir sicher, es kommt der Tag, an dem ich meinen Geldbeutel mal wieder vergessen und meine Uhr am Handgelenk habe!

Pulsoxiometer

Die neue GARMIN Forerunner 945 kommt außerdem mit einem Pulsoxiometer daher.

„Pulswas?“ – werden sich jetzt vielleicht einige Fragen. Mit einem Pulsoxiometer lässt sich die periphere Sauerstoffsättigung des Bluts berechnen. Das ist vorallem dann sinnvoll, wenn man z.B. in einem Höhentrainingslager ist oder auch mal die Alpen überquert.

Man kann die Messung aber auch nur in der Nacht aktivieren, um so ein wenig mehr über seinen Schlaf herausfinden zu können.

Ich persönlich habe den Pulsoximeter deaktiviert, da er doch deutlich zu Lasten der Akkulaufzeit arbeitet.

GARMIN Forerunner 945 im Test

Update 1: Pulsmessung

Nachdem mein Post online ging haben mich direkt einige Rückfragen erreicht. Am häufigsten ging es um die Herzfrequenzmessung am Handgelenk. Daher möchte ich hierzu nachträglich noch ein paar Worte loswerden.

Eins aber vorweg: Eine Messung via Brustgurt ist immer die genauste Möglichkeit seine Herzfrequenz zu messen und das ist auch der Grund, warum ich nahezu nie ohne einen Brustgurt trainiere. Dennoch kommt es gelegentlich vor, dass ich meinen Gurt vergesse oder mir der Puls bei sehr langsamen Läufen einfach nicht wichtig ist.

Während des Testzeitraums hat mir die Uhr bei einer Messung am Handgelenk (gefühlt) realistische Werte geliefert. Auch bei meinem einmaligen Direktvergleich zwischen PPG-Messung am Handgelenk und Messung per Pulsgurt hat sich dieses Bauchgefühl bestätigt. Die Messung am Handgelenk reagiert ein wenig träger zeigt aber im Schnitt nur minimal abweichende Werte an.

Update 2: Schwimmen

Als Triathlet nutze ich die Uhr auch beim Schwimmen. Das Bahnenzählen im Hallenbad funktioniert dabei genauso zuverlässig, wie bei meiner Fenix 5: So lange man den Schwimmstil nicht mitten auf der Bahn ändert, habe ich nur selten Abweichungen der gezählten Bahnen. Nicht so gut funktioniert die Zählung, wenn man den Stil zwischenzeitlich ändert oder Technik-Übungen einbaut. Für letzteres empfiehlt sich aber eine eigens dafür existierende Funktion, bei welcher man die zurückgelegte Strecke für eine Technikübung manuell nachtragen kann.

Im Freiwasser kann ich ebenfalls keinen nennenswerten Unterschied zur Fenix 5 feststellen. Die Streckenaufzeichnung ist in Ordnung. Man muss immer im Hinterkopf haben, dass unter Wasser kein GPS-Signal verfügbar ist. Die Abstände zwischen zwei Messpunkten sind daher manchmal etwas weiter, wodurch die Strecke auch mal etwas nach „Zick-Zack“ aussehen kann. Mich persönlich stört das jedoch weniger.

Update 3: Laden während einer Aktivität

Ebenfalls häufig gefragt wurde ich nach der Veröffentlichung meines Blogposts, ob man während der Aufzeichnung einer Aktivität die Möglichkeit hat die Forerunner 945 zu laden.

Und die Antwort ist kurz und schmerzlos: JA!

Ich habe das ganze ausprobiert und die während einer gestarteten Aktivität ans Ladekabel gehängt. Der Akku lädt und die Aufzeichnung wird nicht unterbrochen.

Ob das ganze jetzt bei einem marathon oder Triathlon praktikabel ist? Wohl eher nicht. Bei einem Ultramarathon/Wanderung oder auch bei langen Radfahrten könnte ich mir das jedoch durchaus vorstellen. Vergessen darf man dabei allerdings nicht, dass man die Uhr während der Ladung nicht am Handgelenk tragen kann.

Fazit

Die Forerunner ist ein schönes „Spielzeug“ für Nerds oder ambitionierte Läufer oder Multisportler, wie Triathleten. Ich bin beides und habe somit genau die richtige Uhr am Handgelenk. Eine Vielzahl an Analysemöglichkeiten, Prognosen, Navigations- und Trainingsmöglichkeiten werden abgerundet durch Spielereien, wie GARMIN Music oder GARMIN Pay.

Wer bereit ist 600€ für eine Multisport-Uhr auszugeben, macht mit der Forerunner 945 definitiv alles richtig – wer auf das eine oder andere Feature verzichten kann, sollte einen Blick auf die kleineren Modelle der Forerunner-Serie werfen.

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6 Comments

  1. Und was bitte ist in deinem Beitrag der Mehrwert zur Garmin Seite?
    Naja du 400m Kreise gelaufen… Genauigkeit ist auf meinem Stryd besser als mit jedem GPS…
    Bist du die 16 Runden in 5 unterschiedlichen Tempi gelaufen mit 20 Sekunden Streigerung jeweils um die Genauigkeit beurteilen zu können?

    1. Hi Sebastian,
      erstmal Danke für dein Feedback. Den Stryd benutze ich auch selbst, aber das spielt in diesem Review keine Rolle.
      Die 400m Intervalle waren exemplarisch und ich bin alle im gleichen Tempo gelaufen. Du hast recht – ich hätte hier auch mal etwas Variation reinbringen können. Am Ende beruht mein Urteil auch nicht nur auf diesem Testlauf, sondern auf einer Reihe von vielen Läufen, die ich mit beiden Uhren gleichzeitig gemacht habe. Im nächsten Review, werde ich auch Trainingsdaten beider Uhren bereitstellen.

  2. Super Analyse – habe selbst die Fenix 5 und hab mich daher sehr über den Vergleich gefreut.

  3. Hallo Sebastian, vielen Dank für deine Analyse der Forerunner 945. Die Hinweise und Test sind für mich viel wichtiger als eine Bedienungsanleitung. So kann ich eine vergleich ziehen was meine Uhr kann und die Forerunner 945. Viele Grüße

  4. Interessanter Test! Mit meiner 5x zähle ich mich zwar weiterhin zu den Fenix-Anhängern, wenn ich mich aber für ein Forerunner Modell entscheiden müsste, dann für die FR945! Vorteil zur Fenix sehe ich in der etwas kompakteren Größe und vor allem im niedrigeren Gewicht. Mich würde interessieren welche Apps und ggf. welche Daten Displays du benutzt

  5. Als 945 Nutzer kann ich vieles bestätigen. Für mich war das kaufargument die Musikfuntion und das leichtere Gewicht. Alles in allem technisch der Fenix quasi gleich.
    Zum Thema HF Messung kann man noch ergänzen, dass diese zwar gut klappt. Aber wer zb auf dem Laufband läuft, sollte für eine exaktere Laufmessung (Schritte, Distanz) den HRM Run oder Tri nutzen

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